freie Arbeiten

stille nacht, doofe nacht. hören

Einmal, da hatte ich Pech.
Kurz vor der mexikanischen Grenze nämlich klaute mir ein pickeliger Crack- Junkie meine letzen hundert Dollar, die, zugegebenermassen etwas luftig, in meinem offenstehenden Low- Budget- Hotelzimmer herumflogen.

» Ist ja nur Geld «, dachte ich und machte mich auf zur Grenze, um von dort aus weiter, Richtung Hauptstadt zu trampen. Es hielt nur keiner und irgendwann war dann Nacht. Parkbank also, Hauch von Schlaf. Erst kamen Zahnbaracken, dann der Hunger, der trotzig bei mir blieb. Anderntags, glaubt´s oder nicht, spielte mir Fortuna dann eine Tüte überreifer Bananen und ein Busticket nach Mexico City zu. So stieg ich gegen Mittag (heilig Mittag) zusammen mit acht einsamen Latinos für schlappe 18 Stunden in den eisigkalten, versifften Langstreckenbus um die Geburt des grossen Erlösers zu feiern. Chiapas, Militärkontrollen, mindestens fünf. Man sucht nach stoppeligen, revolutionären Zappatisten. Keine im Bus, im leeren.

Gegen vier flimmerte dann sozialkritisches über die eiswürfelförmigen Busmonitore: Der Held des Films trägt einen Ralph- Laureen- Bart und überlebt. Alle anderen werden von Splitterbomben und Handgrananten zerfetzt. Schnitt: Held (jetzt helmlos) steht düster dräuend am Gräbermeer seiner gefallenen Kameraden und weiss nun: Krieg ist Scheisse. Ein Meilenstein. Danke Gott.

Gerade wollte ich mir dann die Fingernägel schneiden, da hielt der Bus erneut. Herein kam ein Trio humorloser Grenzbeamter. Der Feind war schnell gesichtet: eine rotbäckige Maya mit abgekauten, perlmuttenen Fingernägeln, eine Illegale wohl auf dem Weg zu Scheindemokratie und Teleshopping. Uns übriggebliebenen belohnten die Eiswürfel dann mit dem Glücksbärchifilm. Dazu Bananen, die Tüte klebt und ist voller halbtoter Fruchtfliegen. Es ist Nacht, unser Bus plügt sich lustlos durchs schwarzblaue Hochgebirge. Sterne schrien und eine schmale Sichel von Mond hing da mahnend. Mir fror und müde war ich, also schlief ich rüttelnd und traumlos ein Weilchen. Schwappende Pisse dann und eine heissgerauchte Allitas im Bus-WC. Der stoppelige Typ im popelverschmierten Toilettenspiegel mustert mich skeptisch, ebenfalls rauchend. Der schon wieder.

Ich ging, saß lang und schweigend in der letzten Reihe, zupfte müde an meinem Barsch und wartete aufs Morgengrauen. Auf Gänsebraten. Spekulatius, den Weltfrieden.

Wussten Sie, dass Bananen, zumindest übermässig genossen, ganz schön stopfend wirken?

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